ROUTINE ist nach 13 Jahren endlich erschienen – warum dieser Release mehr ist als nur „noch ein Horror-Spiel“

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Manche Spiele werden zu Running Gags: angekündigt, verschoben, jahrelang Funkstille – und irgendwann glaubt niemand mehr daran. ROUTINE ist genau so ein Fall. Das Sci-Fi-Horrorspiel wurde bereits 2012 angekündigt, verschwand lange Zeit fast komplett von der Bildfläche und ist nun am 4. Dezember 2025 tatsächlich veröffentlicht worden – für PC, Xbox Series X|S und Xbox One. (GamePro)

Das allein wäre schon eine Meldung wert. Spannender ist aber, was dieser Release für die Branche (und für uns Spielerinnen und Spieler) bedeutet.

Worum geht’s in ROUTINE?

ROUTINE versetzt euch in eine verlassene Mondbasis, die wie eine greifbare „80er-Jahre-Zukunftsvision“ wirkt: klobige Technik, Retro-Futurismus, wenig Komfort – viel Atmosphäre. Statt euch mit UI-Overlays zu erschlagen, setzt das Spiel stark auf Immersion, Orientierung über Umgebung und auf ein Multi-Tool (das sogenannte Cosmonaut Assistance Tool / C.A.T.), das nicht nur beim Interagieren hilft, sondern auch in brenzligen Situationen eine Rolle spielt. (The Verge)

Der Kern: erkunden, Rätsel lösen, überleben – und dabei möglichst nicht das zu werden, was dort unten im Dunkeln auf euch wartet.

Im Raumschiff
Foto by ideogram.ai

Ein Release nach 13 Jahren: Das passiert nicht „einfach so“

GamePro beschreibt, dass ROUTINE nach der Ankündigung mehrfach verschoben wurde und es irgendwann still wurde. (GamePro)
The Verge zeichnet außerdem nach, wie sich ein kleines Team über Jahre durch wachsende Ambitionen, finanzielle Engpässe und reale Lebensumstände kämpfen musste – bis das Projekt später wieder Fahrt aufnahm, auch durch Unterstützung von außen. (The Verge)

Genau hier liegt der Punkt: ROUTINE ist nicht nur ein Spiel, sondern auch ein Beispiel dafür, wie fragil Entwicklung sein kann, wenn keine AAA-Strukturen dahinterstehen.

Wie kommt ROUTINE an?

Die ersten Eindrücke wirken insgesamt positiv:

  • Steam: „Very Positive“ – 91% der Nutzerreviews sind positiv (Stand: Steam-Seite). (Steam Store)
  • OpenCritic: im Schnitt um ~79 Punkte (je nach Ansicht/Filter). (opencritic.com)
  • Metacritic: GamePro verweist auf 78 Punkte. (GamePro)

Und: ROUTINE ist direkt zum Launch im Xbox Game Pass gelandet – inklusive offizieller Ankündigung von Xbox. (Xbox Wire)

Im Raumschiff
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Warum das wichtig ist (und zwar über ROUTINE hinaus)

1) Weil es zeigt, dass „verschollene“ Projekte nicht automatisch tot sind

In der Spielewelt gibt es viele Titel, die in der Versenkung verschwinden. ROUTINE ist ein seltener Gegenbeweis: Ein lang totgeglaubtes Projekt kann zurückkommen – und sogar gut. Das stärkt Vertrauen in kleinere Teams, die nicht im Quartalsrhythmus liefern können.

2) Weil es die Realität von Indie-Entwicklung sichtbar macht

The Verge beschreibt sehr deutlich, wie schnell ein Projekt an Geld, Zeit, Personal und Gesundheit scheitern kann – selbst wenn die Idee stark ist. (The Verge)
Für die Branche ist das eine Erinnerung daran, dass „Delay“ selten Faulheit ist, sondern oft schlicht Überleben.

3) Weil Game Pass & moderne Distribution ein Sicherheitsnetz sein können

Dass ROUTINE zum Release im Game Pass verfügbar ist, senkt die Einstiegshürde massiv: Mehr Leute probieren es aus, mehr Mundpropaganda, mehr Feedback – ein Vorteil, der gerade Indies helfen kann. (Xbox Wire)

4) Weil es unsere Erwartungskultur herausfordert

13 Jahre Wartezeit erzeugen zwei Extreme: Hype oder Zynismus. ROUTINE zeigt, dass beides gefährlich ist. Sinnvoller ist eine Haltung, die Spiele nach dem beurteilt, was sie heute sind – nicht nach dem Meme, das sie über Jahre wurden.

5) Weil „Atmosphäre“ wieder ein Verkaufsargument ist

Viele Horror-Spiele setzen auf Jump-Scares oder Action. ROUTINE wird (auch in Reviews) eher für Welt, Sound, Spannung und Designprinzipien wahrgenommen. (PC Gamer)
Wenn so etwas Erfolg hat, motiviert es andere Studios, wieder stärker in Stimmung statt Checklisten-Features zu investieren.

Für wen lohnt sich ein Blick?

  • Wenn ihr Alien-Isolation-artige Spannung mögt (ohne dass ROUTINE einfach nur kopiert) (PC Gamer)
  • Wenn ihr retro-futuristische Sci-Fi-Settings feiert
  • Wenn ihr gern explorativ spielt und euch nicht permanent Wegpunkte anleuchten sollen (Xbox.com)
  • Besonders bequem: für viele schlicht per Game Pass zum Anspielen (Xbox Wire)

Fazit: ROUTINE ist ein seltenes „Comeback mit Aussage“

ROUTINE ist nicht nur „endlich da“. Es ist ein Beispiel dafür, dass Spieleentwicklung manchmal ein Marathon ist – und dass ein Release nach Jahren der Stille nicht automatisch peinlich sein muss, sondern im besten Fall eine ganze Menge über Kreativität, Durchhaltevermögen und moderne Publishing-Wege erzählt. (The Verge)


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